Ein Hausarzt für 2041 Patienten

BABENHAUSEN – Im „Altstadtquartier“ auf dem einstigen Feuerwehrgelände in Babenhausen soll mit einem besonderen Wohnprojekt für Senioren eine Alternative zum klassischen Seniorenwohnheim entstehen.
(Darmstädter Echo, 11.06.2014)

 

BABENHAUSEN. Im „Altstadtquartier“ auf dem einstigen Feuerwehrgelände in Babenhausen soll mit einem besonderen Wohnprojekt für Senioren eine Alternative zum klassischen Seniorenwohnheim entstehen. Ein medizinisches Versorgungszentrum soll zudem den Ärztemangel beheben. Zahlen untermauern, was die Babenhäuser längst spüren: Es gibt einen Mangel bei der medizinischen Versorgung. Eine Erhebung im Auftrag der Stadt ergab, dass vor allem Fachärzte fehlen. Laut einer Umfrage sehen die Babenhäuser den stärksten Mangel bei Orthopäden, Fachärzten für Augenheilkunde, Neurologen und HNO-Ärzten. Insgesamt sind im Kreis Darmstadt-Dieburg seit Jahren hessenweit mit am meisten Hausarztstellen unbesetzt– gut ein Dutzend Hausärzte fehlen.

Derzeit praktizieren im Babenhäuser Stadtgebiet ein Kinderarzt, zwei Gynäkologen und mehrere Zahnärzte. Sieben Allgemeinmediziner gibt es, von denen zwei bis drei demnächst ausscheiden werden. Langfristig werden hier somit fünf Hausärzte fehlen. Finden sich keine Nachfolger, wird die Arbeitsbelastung für die verbliebenen Ärzte weiter zunehmen.

Aus der Datenerhebung geht hervor, dass schon jetzt die Babenhäuser Hausärzte 30 Prozent mehr leisten als der Durchschnitt. In Hessen kommen im Schnitt auf einen Allgemeinmediziner 1560 Patienten, kreisweit sind es 1771, in Babenhausen hat ein Hausarzt statistisch 2041 Patienten.

Die Analyse ergab zudem, dass junge Mediziner die Kooperation mit Kollegen den klassischen Einzelpraxen vorziehen. Sie sind dann bereit, sich im ländlichen Raum niederzulassen, wenn die Infrastruktur stimmt, die Möglichkeiten zum Aufbau von Gemeinschaftspraxen gegeben sind. Für junge Ärzte werden derzeit im Babenhäuser „Altstadtquartier“ die Voraussetzungen dafür geschaffen. Auf dem einstigen Feuerwehrgelände in der Fahrstraße wird ein Wohnprojekt für Senioren entstehen, das mit einem medizinischen Versorgungskonzept einhergehen soll.

Entlang der historischen Stadtmauer, neben der derzeit ein Altstadtrundweg errichtet wird, werden zwei Wohnhäuser gebaut. Auf drei Geschossen verteilen sich je elf Wohneinheiten. Diese, sowie das gesamte 3500 Quadratmeter große Areal, sind schwellenfrei, also ohne Barrieren wie Treppenstufen oder Kanten. Jedes Gebäude verfügt über Aufzüge, die Türrahmen sind breit genug für Gehhilfen und Rollstühle, Badezimmer sind den Bedürfnissen von Senioren angepasst.

Betreutes Wohnen für Generation 55 plus

Mit der Aschaffenburger Firmengruppe May, die das Areal von der Stadt gekauft hat, sei ein erfahrener Partner im Bereich „betreutes Wohnen“ im Boot.

Die bauliche Gestaltung bedeute jedoch nicht, dass die Eigentumswohnungen erst im hohen Alter bezogen werden können. „Das Angebot richtet sich an die Generation 55 plus“, sagt Projektentwickler Christian Früchtenicht. „Die Idee hinter dem Wohnkonzept ist, die Selbstständigkeit der Menschen in ihrer eigenen Wohnung möglichst lange zu erhalten.“

Sobald die Selbstversorgung schwierig werde, könnten Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Das können Fahrdienste, Einkaufshilfen, ein Essens- oder Reinigungsservice sein. „Wir sind zurzeit im Gespräch mit der Babenhäuser Sozialstation, die als Anbieter verschiedener Dienstleistungen infrage käme.“ Später soll mit den Bewohnern ein Rahmenvertrag über die zubuchbaren Leistungen geschlossen werden.

Zur Fahrstraße hin werden zwei weitere Gebäude entstehen, in denen ein medizinisches Versorgungszentrum eingerichtet werdensoll.Haus-undFachärzte können dort ihre Praxen einrichten. Interessenten hätten noch die Möglichkeit, Wünsche zur baulichen Gestaltung zu äußern.

„Ein Versorgungszentrum würde dem Ärztemangel im gesamten Stadtgebiet entgegenwirken. Zudem würde es das seniorengerechte Wohnkonzept des Altstadtquartiers ideal ergänzen“, sagt Christian Früchtenicht.

Originalartikel