Werksgelände wird zum Wohngebiet

HOCHSTÄDTEN – Spatenstich für Vorhaben auf dem ehemaligen Marmorit-Areal
(Bergsträßer Anzeiger, 17.10.2014)

HOCHSTÄDTEN. Ein Stadtteil schrumpft. Hochstädten hat in den vergangenen Jahren fast 50 Einwohner verloren. Hausgemacht ist das Problem nicht, anderen Städten und Gemeinden geht es schließlich kaum besser.

Der negative Trend dürfte allerdings mittelfristig gestoppt werden. Hochstädten erwartet „ein maßvolles Wachstum“, wie es Stadtrat Hans Seibert am Mittwochnachmittag formulierte. Als Vertreter des Magistrats nahm er am Spatenstich für das Neubaugebiet Im Mühltal teil. Auf dem Gelände des ehemaligen Marmoritwerks bieten die Baulandentwickler Aumann und Früchtenicht 23 Bauplätze an. 16 Einfamilien- und sechs Doppelhäuser haben dort Platz. „Insgesamt sind es 44 Wohneinheiten“, erklärte Seibert, der darin eine „wesentliche Entwicklung für Hochstädten“ sieht.

„Passt zum Charakter des Orts“

Höchst erfreut äußerte sich auch Ortsvorsteher Bernd Rettig über das Vorhaben. Schließlich habe man sich im Ortsbeirat nach der Schließung des Werks im Jahr 2008 intensiv Gedanken gemacht, wie man einen Investor finden könnte, der kein Bauträger ist, sondern nur die Grundstücke vermarktet.

„Die offene Bebauung, die hier möglich ist, passt zum Charakter des Orts“, verteilte Rettig Vorschusslorbeeren. Der Ortsvorsteher rührte mächtig die Werbetrommel für das Gebiet. Durch die Lage sei es oft sonnig und „im Winter braucht man kein Allrad, um nach Hause zu kommen“. In direkter Nachbarschaft befinde sich das Fürstenlager, der Goethe-Brunnen und irgendwann das Hochstädter Haus. Die ehemalige und massiv sanierungsbedürftige Kantine soll bekanntlich zu einem kleinen Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden.

Der Geschäftsführung überreichte Bernd Rettig einen Hochstädter Apfelbrand, Jahrgang 2012, vom Ortsvorsteher höchstselbst signiert. „Wenn es mal eng wird, können sie einen trinken“, gab er den Verantwortlichen mit auf den Weg. Diese erweckten am Mittwoch jedoch nicht den Eindruck, dass sie ihre Nerven mit Promillezufuhr beruhigen müssten.

Die Geschäftsführer Christian Früchtenicht und Markus Aumann bedankten sich für die „phänomenale Unterstützung“ durch die Stadtverwaltung, ohne deren Hilfe es vermutlich zu weiteren Verzögerungen gekommen wäre.

Das Duo blickte kurz in die Historie des Projekts und skizzierte die nächsten Schritte. Nachdem es im Frühjahr 2012 den ersten Termin mit der Firma Knauf gab, konnte im September 2013 der Kaufvertrag geschlossen werden. Mittlerweile liegt Baurecht vor, so dass gestern mit der ersten Stufe der Erschließung begonnen wurde.

Das heißt: „Es werden zwei Kanalsysteme, für Schmutz- und für Regenwasser, gebaut“, so Früchtenicht. Es folgen Frischwasserleitungen, Stromanschlüsse, Telekommunikation und eine Baustraße für die Andienung. Wenn das Wetter mitspielt, können die ersten Grundstücke im Frühjahr an die Bauherren übergeben werden. „Läuft alles reibungslos, werden noch 2015 die ersten Bewohner einziehen“, zeigte sich der Geschäftsführer zuversichtlich.

Die zweite Stufe des Ausbaus startet – laut städtebaulichem Vertrag mit der Stadt – im Jahr 2017 oder sobald 80 Prozent der Grundstücke bebaut sind. Dann wird die Straße fertiggestellt – und zwar nach dem „Shared Space“-Modell. Das sieht keine Bürgersteige mehr vor, sondern einen großen Straßenraum, den sich alle Verkehrsteilnehmer teilen.

Von der Gestaltung des Neubaugebiets erwarten sich Aumann und Früchtenicht einiges. Schließlich könnten die Bauherren ihre „individuellen Wohnträume“ realisieren. Das klingt zunächst sehr werbewirksam, zielt aber darauf ab, dass im Rahmen des Bebauungsplans jeder selbst seines architektonischen Glückes Schmied ist und es keine uniformen Vorgaben wie bei einem Bauträger gibt.

Auf eine gute Nachbarschaft freut sich Susanne Hummel, Vorsitzende des Fördervereins Heimatpflege, der sich seit Jahren engagiert für ein Bürgerhaus einsetzt. Hochstädten habe für Neubürger einiges zu bieten, so Hummel – vom naturnahen Wohnen bis zum regen Vereinsleben.