„Wohnquartett S1“: Größtes privates Wohnbauprojekt

OBOER-RODEN – Rödermarks einst schlimmste Industrie-Altlast wird das größte private Wohnbauprojekt in der Stadt. Gestern Nachmittag war auf dem sanierten Gelände der erste Spatenstich für 69 von knapp 140 Wohnungen, zwölf Büros, Praxen oder Geschäften und wahrscheinlich eine Kindertagesstätte. Von Michael Löw (Offenbach Post, 29.03.2017)

Zwischen Odenwaldstraße und Bahn klafft seit Monaten die riesige Baugrube für das „Wohnquartett S1“. Es besteht aus vier drei- und viergeschossigen Gebäuden, und der Namenszusatz „S1“ ist nach Überzeugung von Vermarkter Stefan Blank Programm: „Wo gibt’s schon Wohnungen mit Sitzplatzgarantie für die S-Bahn?“ 69 Wohnungen, eine Tiefgarage für 137 Autos, 150 Fahrradparkplätze und ein Dutzend Gewerbeeinheiten bilden den ersten Bauabschnitt, gestern leitete der symbolische Spatenstich den Beginn der Arbeiten sozusagen offiziell ein. Timm Früchtenicht, der mit Markus und Kevin Aumann dafür die Atrium-Projektgesellschaft gegründet hat, und Bürgermeister Roland Kern erinnerten noch einmal an die schmutzige Vergangenheit des Grundstücks. Schon 1985, so der Verwaltungschef, habe das Regierungspräsidium erstmals eine „schwerwiegende Belastung mit Schwermetallen“ festgestellt. Doch erst lange nach der Pleite des Galvanikwerks Hitzel & Beck konnte die Sanierung von Boden und Grundwasser beginnen: im Herbst 2014. Sie wurde zum Kraftakt, an dem sich Stadt, Regierungspräsidium, Land und die Firma Früchtenicht beteiligten. Das Unternehmen ließ die alten Hallen abreißen und den hochgradig verschmutzten Boden mehrere Meter tief ausbaggern und deponieren, erläuterte Timm Früchtenicht. Das Land bohrte mehrere bis zu neun Meter tiefe Brunnen, um das Grundwasser zu reinigen. Das wird noch Jahrzehnte dauern, warb Kern um Geduld und versicherte: „Eine bessere Sanierung als für Wohnbebauung ist nicht erforderlich.“

Die ersten 69 Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 62 und 120 Quadratmeter groß. Die Preise beginnen bei 192.000 Euro und enden bei 392.000 Euro. Die Quadratmeterpreise zwischen 2 850 und 3 600 Euro liegen laut Stefan Blank bei rund 60 Prozent des Frankfurter Niveaus. Das Interesse ist seinen Angaben zufolge groß, heute sollen die ersten zwei Kaufverträge unterschrieben werden. Dazu kommen fünf Reservierungen – noch bevor eine Mauer steht. Ende 2018 sollen die ersten Käufer und Mieter einziehen.

Die Stadt geht davon aus, dass das größte private Wohnbauprojekt in Rödermark viele Familien nach Ober-Roden zieht. Deshalb will sie in einem Gebäude des Quartetts auch einen Kindergarten einrichten. Wegen der Nähe zur Bahn soll er „Jim Knopf“ oder „Lukas der Lokomotivführer“ heißen.

Beitragsbild: © Löw